Ramadan

  1. Ramadan
  2. Ramadân-Mondsichel - Teil 2

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    Einige Gelehrte sind indes der Auffassung, dass es für die Einwohner jedes einzelnen Landes ein eigenes Sichten gibt, und dass die jeweiligen Einwohner zu ihrem eigenen Sichten und nicht zum Sichten durch Andere verpflichtet sind, und zwar gemäß einem von Muslim nach einer Aussage von Kuraib überlieferten Hadîth: „Ich kam zur Zeit des Sichtens der Ramadân-Mondsichel nach Asch-Schâm [heute: Syrien, Libanon und Palästina]. Ich sah die Mondsichel in der Nacht auf Freitag. Dann kam ich am Ende des Monats nach Madîna. Ibn Abbâs fragte mich nach der Mondsichel mit den Worten: »Wann habt ihr die Mondsichel gesehen?« Ich antwortete: »Wir haben sie in der Nacht auf Freitag gesehen.« Dann fragte er mich: »Hast du selbst sie gesehen?« Ich antwortete: »Ja! Auch die Menschen sahen sie. Dann fasteten sie und auch Mu´âwiya.« Da sagte er: »Wir sahen sie jedoch in der Nacht zum Sonnabend und wir fasten noch, bis wir 30 Tage vollenden oder die neue Mondsichel sehen.« Ich fragte ihn: »Genügen dir nicht das Sehen von Mu´âwiya und dessen Fasten?« Er erwiderte: »Nein! So hat es uns der Gesandte Allâhs  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken angeordnet.«“


     

     


     

    Die meisten Gelehrten entgegneten jedoch auf diesen Hadîth, dass dieser Hadîth für jemanden gilt, der das Fasten gemäß dem Sichten der Mondsichel in seinem Land begonnen hat und ihm währenddessen zu Ohren gekommen ist, dass man die Mondsichel am Tag vorher in einem anderen Land gesehen hat. In diesem Fall setzt er das Fasten mit den Leuten seines Landes fort, bis sie 30 Tage im Monat Ramadân vollenden oder die Mondsichel in ihrem Land sehen. Auf diese Weise wird die Problematik gelöst und bleibt die Meinung der meisten Gelehrten als ausschlaggebende Meinung, zumal diese Angelegenheit heutzutage äußerst leicht ist. Dies bedarf jedoch vermehrten Interesses seitens der muslimischen Länder, damit diese Angelegenheit zu einem realen Tatbestand wird.


     

     


     

    Bis die muslimischen Länder sich darüber verständigen, muss das Volk jedes Landes gemäß dem Sichten der Mondsichel in seinem Land fasten und soll sich nicht teilen, indem einige mit ihrem Land und andere mit einem anderen Land fasten, wobei es unerheblich ist, ob das Land einen Tag davor oder danach fastet, weil dies den Kreis der Meinungsverschiedenheit erweitert. Wenn eine einzige Person die Mondsichel gesehen hat, darf sie nicht allein fasten, und zwar gemäß den Worten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken : „Euer Fasten beginnt am Tag, an dem ihr fastet, und euer Fastenbrechen erfolgt am Tag, an dem ihr das Fasten brecht, und euer Opfertag erfolgt am Tag, an dem ihr Schlachttiere opfert.“ (Überliefert von At-Tirmidhî mit einem diesem Hadîth näheren Wortlaut.)


     

     


     

    Die Gelehrten sagten: „Dies bedeutet, dass man das Fasten mit der Gemeinschaft beginnen und es mit ihr abbrechen muss. Befindet sich aber jemand an einem Ort, an dem es keine anderen Leute gibt, darf er das Fasten beginnen, falls er die Mondsichel gesehen hat, denn es gibt ja keine anderen Leute außer ihm.“


     

     


     

    Ramadân-Mondsichel in den Augen der islâmischen Welt:


     

     


     

    Die muslimischen Länder sorgen für das Sichten der Mondsichel des Monats Ramadân in einer hervorragenden Weise und beobachten deren Sichtungshorizonte, damit sie sich deren Sehens vergewissern. Dadurch ist man sicher, dass sowohl der Monat Ramadân als auch das Fasten begonnen hat, wobei die Zeit des Sichtens zu den berühmten Nächten gehört. Die Minarette der Moscheen werden beleuchtet, die visuellen, hörbaren und lesbaren Medien feiern anlässlich des Sichtens der Ramadân-Mondsichel und verkünden die frohen Botschaften und Glückwünsche, Kanonen werden geschossen, die Gelehrten und Prediger werden aktiv und es werden vermehrt Vorlesungen bei religiösen Vereinen gehalten.


     

     


     

    Früher intensivierte man die Beleuchtung der Moscheen beim Sichten der Mondsichel. Der berühmte abbasidische Schriftsteller Ahmad ibn Yûsuf sagte: „Der Kalif Al-Ma’mûn hat mich angewiesen an alle ihm unterstellten Statthalter zu schreiben, dass sie die Leute ermutigen die Lampen im Monat Ramadân zu mehren und sie die in dieser Angelegenheit vorhandene Gunst erkennen zu lassen.“ Er sagte weiter: „Ich wusste aber nicht, was ich diesbezüglich schreiben oder sagen sollte, denn niemand vor mir hatte darüber etwas verfasst, so dass ich seinen Weg beschreiten oder seiner Meinung folgen könnte. Ich hielt Siesta und es erschien mir jemand im Traum und sagte: »Schreib: ΄Dies gilt den Passanten als Geselligkeit, Beleuchtung für die in der Nacht Betenden und Verbannung der vermuteten Orte von Verdächtigungen und Befreien der Moscheen Allâhs des Allmächtigen und Majestätischen von der Beklommenheit der Finsternisse.΄« Ich wurde wach und es eröffnete sich mir das, was ich wollte. Dann begann ich damit und brachte es auf dieser Grundlage zu Stande.“


     

     


     

    Die Kalifen und Statthalter hielten sich hinsichtlich des Steigens auf hochgelegene Stellen ob des Sichtens der Ramadân-Mondsichel gegenüber Richtern und Zeugen nicht für zu fein. Al-Asma´î sagte: „Ich erklomm mit Ar-Raschîd eine hohe Stelle in der Stadt Ghurfa, damit wir die Ramadân-Mondsichel sichten. Al-Asma´î fragte: »O Fürst der Gläubigen! Was bedeuten die Worte von Hind bint Utba: ΄Wir sind die Töchter von Târiq und wir laufen auf Kissen.΄«?“ Da sagte Ar-Raschîd: „At-Târiq ist der am Himmel befindliche Stern.“ Al-Asma´î sagte: „Du hast Recht, o Fürst der Gläubigen!“ Dann wies Ar-Raschîd an, ihm 10.000 Dirham zu geben.


     

     


     

    Ramadân-Mondsichel in den Augen der Dichter:


     

    Es war Usus, dass die rechtschaffenen Dichter die Ramadân-Mondsichel bewillkommnen, bei ihrem Beschreiben erfinden und sie als eine frohe Botschaft für Gutes und Glück betrachten.


     

     


     

    Anekdoten aus den Annalen der Geschichte:


     

     


     

    Es ist überliefert, dass einige Menschen, zu denen der Prophetengefährte Anas ibn Mâlik gehörte, zum Sichten der Ramadân-Mondsichel kamen. Anas war damals etwa 100 Jahre alt und sagte: „Ich habe sie  gesehen. Sie ist vorhanden.“ Er zeigte auf sie, aber die Leute konnten keine sehen. Der Richter Iyâs, der klug und scharfsinnig war, war zugegen. Er blickte Anas an und fand, dass ein weißes Haar aus dessen Augenbraue auf dessen Auge herabhing. Er glättete dieses Haar und brachte es wieder nach oben und sagte: »Blick [noch einmal], o Abû Hamza [Beiname von Anas]!« Anas blickte und sagte: »Ich sehe sie nicht.«“


     

     


     

    Die Leute sammelten sich eines Nachts zum Sichten der Mondsichel. Sie richteten den Blick auf den Horizont und sahen nichts. Ein Mann unter ihnen schrie: „Ich habe sie gesehen, ich habe sie gesehen!“ Die Leute wunderten sich über seine Sehkraft und fragten: „Wie kannst du sie sehen, während wir sie nicht sehen können?!“ Der Mann freute sich über dieses Lob und sagte: „Da gibt es eine andere Mondsichel neben ihr!“ Die Anwesenden lachten über ihn.


     

     


     

    Die Leute stiegen eines Nachts zwecks des Sichtens der Mondsichel auf einen erhöhten Ort und konnten sie nicht sehen. Als sie sich anschickten wegzugehen, sah sie ein Junge und wies die Leute auf diese hin. Da sagte einer von ihnen zu ihm: „Benachrichtige deine Mutter über den auszehrenden Hunger!“


     

     


     

    Eines Tages verließen die Leute in Basra zum Sichten der Ramadân-Mondsichel ihre Häuser. Einer von ihnen sah sie und zeigte auf sie, bis die Leute sie auch sahen. Als die Zeit der Mondsichel des Fastenbrechens (Schawwâl) kam, ging Al-Dschammâz – jemand, der originelle Geschichten zu erzählen pflegte – zu jenem Mann und sagte zu ihm: „Führe uns aus dem heraus, in das du uns hineingeführt hast!“


     

     


     

    Zur Zeit des Sultans Muhammad An-Nâsir ibn Qalâwûn kam der Monat Ramadân im Winter, als der Himmel bewölkt war. So wurde offiziell das Sichten der Mondsichel nicht bestätigt und die Leute verständigten sich auf das Nicht-Fasten. Nun ereignete es sich indes, dass die Ehefrau des Muftis der Ortschaft die Mondsichel vom Dach ihres Hauses sah, weil sie scharfsichtig war und sie durch die Wolken sehen konnte. Sie informierte ihren Ehemann darüber und er glaubte ihr. Er ging zum Sultan und erzählte ihm die Geschichte. Der Sultan ließ sie holen und schwören. Die Anwesenden glaubten ihr und das Sichten der Ramadân-Mondsichel wurde nun doch offiziell bekannt gegeben, woraufhin die Menschen fasteten. Danach wurde diese Frau offiziell zur Zeugin des Sichtens der Mondsichel ernannt, wobei keiner Frau vor oder nach ihr eine derartige Wertschätzung zuteil wurde, sodass sie die Stelle der heutigen Teleskope einnahm.
     
     

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