Michael David Shapiro - Pilgerfahrt zum Islām

Sonntag 1-7-2018| IslamWeb

Ich bin ursprünglich ein russischer Jude. Meine Suche begann, als ich 19 Jahre alt war. Ich erholte mich von meinem Arbeitspensum für Scientology (ja, ich wurde einer Gehirnwäsche unterzogen). Mein Glaube an Gott wankte. Mein Lebensziel war es, ein Rockstar zu werden. Ich lebte in meiner Wohnung in Pasadena und arbeitete als Sekretär. Lustig, ich weiß. Eines Nachts lief ich in die Küche und begegnete einem dunklen Burschen. Ich erinnere mich daran, ihn gefragt zu haben: „Kann ich diesen Wodka heute Nacht im Kühlschrank lassen?“ Wir schüttelten uns die Hände und gingen schlafen. Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich mein Leben drastisch…

 

Dieser dunkle Bursche, ein Muslim, war der erste Muslim, den ich jemals getroffen hatte. Extrem neugierig unterhielt ich mich mit ihm über seinen Glauben. Was höre ich da für Dinge über fünf Gebete am Tag? Und über Dschihad? Wer ist dieser Muhammad? Unsere Gespräche fanden im Beisein unseres christlichen Mitbewohners Wade statt. Gemeinsam gestalteten wir „jüdisch-christlich-muslimische Dialogsitzungen“. Dabei entdeckten wir viele Unterschiede und viele Gemeinsamkeiten. Mein Interesse verlagerte sich alsdann von Sex, Drogen und Partys zu einer intensiven Suche nach der Wahrheit. Eine Suche, die ich vollenden musste. Eine Suche nach Gott. Und eine Suche danach, wie man Ihm folgt.

 

Auf meiner Suche nach der Wahrheit fragte ich mich: „Nun gut, lasst uns einfach beginnen: Wie viele Götter gibt es meiner Meinung nach?“ Ich stellte mir nur einen vor, da ich davon ausging, dass ein geteilter Gott schwächer als ein vollständiger einziger Gott wäre. Ich dachte, dass es, wenn ein Gott mit einem anderen nicht gleicher Meinung wäre, zu Streitigkeiten und Fehden kommen würde. Meine Entscheidung lautete also: Es gibt nur einen einzigen Gott.

 

Als ich mir Gedanken über die mögliche Existenz eines Gottes machte, analysierte ich sowohl atheistische als auch theistische Glaubensvorstellungen. Der Grund, warum ich mich für Letzteres entschied, war das Zitat: „Jedes Design hat einen Designer.“ Mit diesen Worten im Sinn hatte ich schließlich die Gewissheit, dass Gott existiert. Ich kann nicht erklären warum - ich spürte es irgendwie. Dieses neugefundene aufregende Ergebnis wurde von einem Verantwortungsgefühl begleitet, dem Schöpfer zu folgen. Die Welt der Religionen war meine nächste Hürde. Alsdann fragte ich mich: „Wo soll ich beginnen?“ Es gibt buchstäblich Tausende Religionen. Ich benötigte eine Methode, um sie auf einige wenige einzugrenzen. Wie sollte ich dies tun? „Suche die monotheistischen Religionen!“ kam mir in den Sinn. „Hey, das macht Sinn! Denn ich glaube ja an nur einen einzigen Gott!“

 

Nun gut! Dies schloss Buddhismus und Hinduismus aus, da beide polytheistische Religionen sind. Die Hauptreligionen, auf die ich stieß und die unter den Begriff monotheistisch fielen, waren das Judentum, das Christentum und der Islâm. Nun, da ich Jude war, begann ich mit dem Judentum. Ein Gott, einige Propheten, zehn Gebote, Thora, jüdische Seelen… wie bitte, was? „Jüdische Seelen?“ Auf meiner Suche widmete ich mich diesem Gedanken. Es wird erzählt: „Wenn ein Mensch als Jude geboren wird, dann besitzt er eine jüdische Seele und muss dem Judentum folgen.“ Warte eine Sekunde! Das ist Diskriminierung, nicht wahr? Das ist nicht universal. Dann erschafft Gott also jüdische Seelen und christliche Seelen und muslimische Seelen und hinduistische Seelen? Ich dachte, alle Menschen seien doch gleich erschaffen! Wenn demzufolge jemand in eine Religion hineingeboren ist, dann bedeutet dies, dass er mit diesem Dekret von Gott darin verbleiben muss… selbst wenn dieser Mensch glaubt, dass sie falsch ist? Hmmm… dem stimme ich nicht zu. Eine weitere Sache störte mich wirklich: Es gibt kein genaues Konzept von Hölle im Judentum… warum sollte man dann gut sein? Warum nicht sündigen? Wenn ich keine Angst vor einer strengen Strafe habe, warum sollte ich dann sittsam sein? 

 

Als ich weiterforschte, stieß ich auf das Christentum. Gut, ein Gott, ein Vater, ein Sohn und ein Heiliger Geist… nochmals: ein Gott, ein Vater, ein Sohn und ein Heiliger Geist. Ach, bitte erkläre mir das! Wie können all diese Dinge ein Gott sein? 1+1+1=3, richtig? Wie kann man also behaupten, man würde nur an einen Gott glauben?

 

Erklärungen über Erklärungen, Gleichsetzungen über Gleichsetzungen, Vergleiche über Vergleiche, Analogien über Analogien; ich konnte dieses Konzept nicht verstehen. Na gut, lasst uns weitersehen: Die nächste Hauptglaubenslehre: Jesus starb für unsere Sünden und er tat dies, weil wir alle mit der „Erbsünde“ beschmutzt sind. Jesus Christus, der „Sohn Gottes“, musste also ermordet werden, um alle vor der Hölle zu erretten und uns von unseren Sünden zu retten, die uns von Adam „vererbt“ wurden. Also gut, dann bedeutet dies, dass wir alle als Sünder geboren sind!? Und sündigen bedeutet etwas Falsches zu tun, richtig? Dann bedeutet dies, dass ein einjähriges Baby schuldig für Sünden oder falsches Handeln ist? Das ist aber seltsam! Wegen der Handlungsweise eines Menschen muss die gesamte Menschheit leiden? Was ist die Moral von dieser Geschichte? Bestrafe die ganze Gruppe, wenn einer etwas Falsches tut? Warum sollte Gott eine derartige Regel aufstellen? Dies ist für mich einfach nicht logisch. Dann starb Jesus also, weil er die „Menschheit liebt“. Moment! In der Bibel steht, dass Jesus sagte: „Vater, warum hast du mich verlassen?“ Plötzlich hat also Jesus nicht mehr verstanden, warum er brutal ermordet wurde? Doch gerade hieß es noch, er „bot sich freiwillig dafür an“, geopfert zu werden. Wie dem auch sei, ich konnte diesen Glauben überhaupt nicht verstehen. Also gut, was ist die nächste Religion?

 

Der Islâm. Islâm bedeutet Unterwerfung. Die Glaubensinhalte lauten wie folgt: Ein einziger Gott, fünf Gebete am Tag, jährlich 2,5% Zakâ, Fasten im Ramadân (um Allâh näher zu kommen und das Leben wertzuschätzen… neben weiteren Gründen) und schließlich der Haddsch, wenn man finanziell dazu in der Lage ist. Na gut, soweit nicht schwer zu verstehen. Hier gibt es nichts, was meiner Logik widerspricht. Der Qurân ist ein Buch mit vielen interessanten Wundern und zeitlosen Weisheiten. Viele wissenschaftliche Tatsachen, die erst kürzlich entdeckt wurden, wurden vor 1.400 Jahren in diesem Buch verkündet. Gut, der Islâm erfüllt meine grundsätzlichen religiösen Voraussetzungen. Doch ich wollte einige tiefgründige Fragen stellen. Ist diese Religion universal? Ja, jeder kann diese grundlegenden Glaubenslehren verstehen… keine Analogien oder Gleichsetzungen werden benötigt. Steht sie im Einklang mit der Wissenschaft? Ja, Dutzende Verse im Qurân stimmen mit moderner Wissenschaft und Technologie überein.

 

Als ich die unzähligen logischen Fakten, die ich gelesen und erforscht hatte, durchforstete, wurde ich auf eine Sache besonders aufmerksam. „Islâm“. Der Name dieser Religion. Ich stellte fest, dass er in diesem Qurân oft erwähnt wird. Als ich mir jedoch meine vorherigen Untersuchungen wieder ins Gedächtnis rief, konnte ich mich nicht daran erinnern, auch nur einmal das Wort „Judentum“ im Alten Testament oder „Christentum“ im Neuen Testament gelesen zu haben. Toll! Warum konnte ich den eigentlichen Namen der Religionen in diesen zwei Büchern nicht finden? Weil es sie in diesen Büchern nicht gibt! Während ich nachdachte, stellte ich fest, dass „Judentum“ in „Juden-tum“ und Christentum in „Christen-tum“ zerlegt werden können. Wer ist also Juda oder Judah? Er war der Stammesführer der Hebräer, als Gott der Menschheit Seine Botschaft offenbarte. Diese Religion wurde also nach einer Person benannt. Ok, lasst uns sehen, wer Christ oder Christus ist. Er war derjenige, der den Juden die Botschaft Gottes überbrachte. Diese Religion wurde also nach einer Person benannt. Wenn wir uns also zurückbesinnen, können wir folgern, dass die Namen dieser Religionen die Eigennamen von Personen sind und ihnen die Endung „-tum“ angefügt wurde. Ungeachtet dieser Tatsache werden die eigentlichen Namen dieser Religionen in deren Schriften nicht erwähnt.

 

Ich dachte mir, dass dies sehr seltsam ist. Wenn ich von Tür zu Tür laufen und ein Produkt verkaufen und sagen würde: „Würden Sie das hier gerne kaufen?“, wäre dann nicht die logische Frage: „Wie heißt das hier?“ Mit einem Produkt ohne Namen würde ich kein Geld verdienen. Die Namensgebung ist die eigentliche Grundlage, über die sich Menschen sowohl mit materiellen als auch mit nicht-materiellen Objekten identifizieren. Wenn Religion praktiziert und zu jedem Menschen auf der Erde verbreitet werden muss, sollte es dann nicht einen Namen dafür geben? Sollte uns der Name ferner nicht von Gott dem Allmächtigen übermittelt werden? Ja, genau das ist mein Standpunkt! Die Namen „Christentum“ und „Judentum“ wurden in den Offenbarungsschriften nicht erwähnt. Menschen benannten sie! Nicht Gott!

 

Den Gedanken, dass Gott der Menschheit eine Religion ohne Namen zum Befolgen bestimmen würde, kann mein Verstand unmöglich akzeptieren. An diesem Punkt haben sowohl das Christentum als auch das Judentum ihre Glaubwürdigkeit als reine, logische und vollkommene Religionen verloren - zumindest aus meiner Sicht. Der Islâm ist die einzige dieser Religionen, die den Namen der Religion in ihren Schriften beinhaltet. Dies ist immens wichtig für mich. An diesem Punkt erkannte ich, dass ich den Islam befolgen würde. Ich wurde also Muslim. Ich hatte die Wahrheit erkannt. Ich war der Dunkelheit entronnen. Ich kam ins Licht…

© 2008-2018, IslamWeb ,Alle Rechte vorbehalten